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Der Zaun ist blau, in der Küche brennen Kerzen, aus dem Wohnzimmer bellen Hunde:
In einem großzügigen Einfamilienhaus an der Triftstraße im 3.600-Einwohner-Örtchen
Deutsch Evern südlich von Lüneburg lebt und arbeitet Deutschlands "IT-Freelancerin
des Jahres 2007". Vergeben wird der Preis von der Gesellschaft für Informatik,
Barbara Beenen hat ihn bekommen.
Eigentlich wollte die Abiturientin Barbara Medizin studieren, nachdem sie jahrelang
im Sanitätsdienst des Deutschen Roten Kreuzes gearbeitet hatte. Ärzte rieten
ihr davon ab, die Eltern forderten ein Studium, mit dem sich ausreichend Geld verdienen
lassen könne. So fing die gebürtige Münchnerin in ihrer Heimatstadt mit
Informatik an, und am Ende fand sie das Ganze "so interessant, dass ich es weitermachen
wollte".
Bei der "Werum Software & Systems AG" wollte die Uni-Absolventin
in München arbeiten, doch die Lüneburger Firma stellte damals nur im
Norden ein. Also zog sie her, machte "eine sehr harte Anfangszeit" wegen
fehlender Freunde durch, holte zwischendurch noch eine verpatzte Diplomprüfung
in München nach, arbeitete, heiratete, bekam eine Tochter (heute ist sie
zehn) - und stieg nach fünf Jahren bei der Softwareschmiede aus: zu langweilig.
"Ich brauche ein häufig wechselndes Umfeld", sagt die 37-Jährige.
Und das schafft sie sich seit mittlerweile sieben Jahren selbst: durch Freiberuflichkeit.
Für den Riesenvogel Airbus A 380 hat die Wahl-Deutsch-Evernerin an der Software
für die Kabinensteuerung mitgearbeitet, zurzeit brütet sie über
einer Steuerung der Flughafen-Lichtanlage in Seoul. Zuvor hatte sie ein Beatmungsgerät
für Babys mitentwickelt.
"Bei uns ist es wichtig, dass eine Information nicht nur ankommt, sondern innerhalb
einer bestimmten Zeit ankommt", erklärt die Informatikerin. Das System eines
Baby-Beatmungsgeräts darf im Falle eines Absturzes maximal acht Sekunden für einen
Neustart brauchen - nach zehn Sekunden wäre der Säugling erstickt. Das Kabinensystem
eines A 380 muss sofort über Rauchentwicklung in der Toilette informieren - auch wenn
zeitgleich ein Dutzend Passagiere nach der Stewardess klingeln oder sich gegenseitig über
die Bordtelefonie erreichen wollen.
Als Frau in der Männerdomäne Informatik fühlt sich die 37-Jährige meist
wie ein "Unikat" - die weiblichen Teilnehmerinnen bei Fachkongressen sind in der Regel
Begleiterinnen oder Servicekräfte. Neben der Geschäftsführung ihrer eigenen GmbH
mit einer Angestellten, einer Tochter und zwei Hunden bekommt es Barbara Beenen
irgendwie auch noch hin, sich im Rettungswesen sowie im Verband deutscher Unternehmerinnen
zu engagieren - eine preiswürdige Freiberuflerin, wie die Gesellschaft für
Informatik findet.
Text: Carolin George, Lüneburg
Erschienen im Hamburger Abendblatt (Harburger Rundschau) vom 31.10.2007, Veröffentlichung mit freundlicher
Genehmigung des Hamburger Abendblatts (Harburger Rundschau)
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